Seit
unserer Kindheit werden wir immer wieder mit kleinen und großen Veränderungen
konfrontiert, die uns erst einmal ganz fremd erscheinen, uns das Gefühl geben,
den gemütlichen Gewohnheitsbereich unseres Lebens zu verlassen und die Adrenalinproduktion
ein wenig anheben.
Auch
wenn wir uns wahrscheinlich kaum daran erinnern, so müssen die ersten Tage im
Kindergarten ganz schön aufregend gewesen sein. Ein fremder Ort und fremde
Menschen, sowohl große als auch kleine, dafür aber nicht die beiden großen, die
wir seit der Geburt um uns hatten.
Aber bald kannten wir auf wundersame Weise
den Weg zu diesem Ort und auch die Menschen, als wären sie nie fremd gewesen.
Dann
kam die Schule. Eine Tüte voller Süßigkeiten in der einen Hand, die beste
Kindergarten-Freundin an der anderen und noch mehr Menschen, die einen noch
erwartungsvoller anschauten.
Das
Ausmalen von Bildchen als erste Hausaufgabe war zwar ungewohnt, aber dennoch
freute ich mich damals über die nette Nachmittagsbeschäftigung und ahnte nicht,
dass ich mich in den folgenden knapp 13 Jahren an Berge von Hausaufgaben
gewöhnen würde (oder müsste?).
Es
folgten Schulwechsel, Lehrerwechsel, Klassenzimmerwechsel, Fächerwechsel,
Mitschülerwechsel und alles war eine Zeit lang neu und dann doch wieder ganz
normal und so selbstverständlich wie Zähneputzen.
Als
die Schule beendet war und das Studium auf mich zukam, erlebte ich diese Welle
von Veränderungen und Gewöhnung zum ersten Mal wirklich bewusst und mit Freude.
Denn ich freute mich darauf, erstmal völlig plan- und ahnungslos durch meine
neue, kleine Welt zu laufen und irgendwann zu spüren, wie mein Kopf ganz
unbewusst diese unbekannten Dinge nach und nach speichert.
Erwischte
ich mich anfangs dabei, wie ich mehrmals auf den Fahrplan schaute, um die Bahn
nicht zu verpassen und mich mehrmals vergewisserte, dass ich in der richtigen
saß, so erkannte ich nach kurzer Zeit die Bahnen schon von weitem und hatte
irgendwann sogar herausgefunden, zu welchen Uhrzeiten am wenigsten los ist und,
wo man am wahrscheinlichsten einen freien Platz findet (solche Dinge
auszukundschaften ist ein kleines Faible von mir :)).
Ähnlich
erging es mir an der Uni: Um mich auf dem Gelände nicht zu verlaufen und nicht
versehentlich in einer Vorlesung für Mediziner über Leichen zu landen, habe ich
mir jeden Morgen noch einmal eindringlich Gebäude- und Raumnummer eingeprägt oder
schloss mich in Gebäuden unauffällig Gruppen an, die so wirkten, als seien sie
auch gerade auf der Suche nach einem Raum...
Und
ja, ihr könnt euch denken, dass es mir inzwischen nicht mehr schwer fällt, das
richtige Gebäude zu betreten :)
Und
dann gab es natürlich noch die Kommilitonen/innen. 500 Menschen saßen in den
ersten beiden Semestern in den Vorlesungen, also ganz schön viele Fremde auf
einmal, viel mehr als im Kindergarten oder in der Schule – in diesem riesigen
Hörsaal fühlte man sich aber fast wieder wie ein kleines Kindergartenkind!
Und
doch war auch das nach einer Weile etwas völlig Normales. Und obwohl ich
anfangs niemanden kannte, wurde das Mädchen, das mich am ersten Tag fünf
Minuten nach meiner Ankunft im Mathe-Gebäude ansprach, schon nach kurzer Zeit
zu einer sehr lieben Freundin, ganz ohne dass mir aufgefallen wäre, wann und
wie das geschah.
Das
folgende Foto erinnert mich immer wieder an die spannende Anfangszeit in der neuen
Stadt, denn ich hatte es einen Tag, nachdem ich dort hingezogen war und mich auf
den Weg begeben hatte, um die fremde Stadt zu erkunden, gemacht.
Kennt
ihr dieses Gefühl oder fragt ihr euch eher, wovon ich hier wohl gerade rede? :D
P.S.:
Danke, dass ihr schon sagenhafte 70 + 14 Leser seid!! :)
